Dominoaktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin 20 Jahre Mauerfall
09. November 2009

20 Jahre Mauerfall

Die Kunstschule Potsdam war dabei. Ein bemalter Stein wurde am 13. Oktober in Anwesenheit des Oberbürgermeisters der Stadt Potsdam an Berlin übergeben. Gestaltet wurde der Dominostein von Tim Höregott, der seit September 2009 in der Kunstschule ein Freiwilliges soziales Jahr in der Kultur (FSJ Kultur) absolviert. Tim war am 9. November in Berlin als Freiwilliger Helfer am Brandenburger Tor dabei.

Pressestimmen

Potsdamer Neueste Nachrichten 14. Oktober 2009 von KG

Fallende Kunstwerke
Babelsberger Kunstschule beteiligt sich an der „Dominoaktion“ zur Feier des Mauerfalls

Die Glienicker Brücke ist für Tim Höregott der eindrücklichste Potsdamer Ort für die Teilung Deutschlands. Deshalb nahm der 19-Jährige Berliner, der ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kunstschule Babelsberg absolviert, die Brücke zwischen Berlin und Potsdam als Grundmotiv für seinen Beitrag zur „Dominoaktion“ am 9. November in Berlin. Auf einem überdimensionalen Dominostein verewigte er die „Brücke der Einheit“, die für 40 Jahre nur als „Agentenbrücke“ bezeichnet wurde und im Niemandsland zwischen Ost und West stand.

Der Potsdamer Dominostein ist einer von Eintausend etwa 2,50 Meter hohen Steinen aus Styropor, die – allesamt individuell gestaltet von Jugendlichen aus ganz Deutschland – vor dem Brandenburger Tor in Berlin aufgestellt und anschließend zu Fall gebracht werden. Auch die Auszubildenden der PCK Raffinerie GmbH Schwedt haben einen Stein gestaltet, der gestern von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) auf die Reise nach Berlin geschickt wurde. Die Kunstinszenierung am 9. November vor dem Brandenburger Tor in der Bundeshauptstadt wird von der Kulturprojekte GmbH vorbereitet, und soll an den Fall der Mauer vor 20 Jahren erinnern, sagte Projektkoordinatorin Dorett Auerswald.

Neben dem 19-Jährigen gestalteten auch andere Kunstschüler und Lehrer der Einrichtung den Stein mit, der laut Auer. Eindrücklich sind die grellen Symbole von Ost und West, die an und über der Glienicker Brücke prangen. Der Stern über der Ostseite leuchtet im grellen rot-orange, der Asphalt auf der „Brücke der Einheit“ ist rissig. In der Ferne deutet sich die Silhouette der Nikolaikirche an, auf der anderen Seite der Brücke schimmert die Skyline von Berlin. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der gestern den Dominostein auf die kurze Reise nach Berlin schickte, sagte: „Ich finde es sehr gut, dass vor allem auch junge Leute, die diese Zeit nicht selbst miterlebt haben, sich mit diesem historischen Ereignissen beschäftigen.“

Am 9. November wird in Berlin beim „Fest der Freiheit“ der 20. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert, bei dem die Dominoaktion „einen emotionalen Höhepunkt des Abends werden soll“, so Auerswald. Bevor die Steine allerdings fallen werden sie am 7. und 8. November vor dem Brandenburger Tor ausgestellt.

Märkische Allgemeine 14. Oktober 2009 von Ricarda Nowak

AKTION: Fallende Dominosteine

Jugendliche und Künstler gestalteten 1000 Styroporblöcke / „Fest der Freiheit“ POTSDAM / NAUENER VORSTADT - Während auf der Rückfront ein neonroter Sowjetstern die Glienicker Brücke überstrahlt, symbolisiert die schwarz-rot-gelbe Fahrbahnmarkierung auf der Vorderseite bereits die deutsche Einheit. „In Potsdam ist der historisch interessanteste Ort die Glienicker Brücke“, sagte Tim Höregott, der den Entwurf für den Styroporblock lieferte. Der 19-Jährige absolviert zurzeit in der Kunstschule Potsdam ein freiwilliges soziales Jahr. Jugendliche und Dozenten der Kunstschule halfen, Höregotts künstlerische Idee umzusetzen. Gestern wurde der Dominostein im Beisein von Oberbürgermeister Jann Jakobs und Kunstschulleiterin Thea Moritz an Dorett Auerswald von der Kulturprojekte Berlin GmbH übergeben. Im März startete die Aktion mit dem Aufruf an Jugendliche, „Geschichte mit Dominoeffekt“ zu machen. Rund 1000 überdimensionale Dominosteine sind seither gestaltet worden, sagte Auerswald. Am Nachmittag präsentierten Auszubildende der PCK Raffinerie GmbH Schwedt in der Staatskanzlei ihren Dominostein Ministerpräsident Matthias Platzeck. Beide jeweils 20 Kilogramm schweren und zweieinhalb Meter hohen Blöcke wurden nach Berlin transportiert, um dort für einen Katalog, den es begleitend zur Aktion geben soll, fotografiert zu werden.

Die Mehrzahl der Dominos seien von jungen Leuten „in einer unglaublichen Vielfalt“ gestaltet worden, sagte Dorett Auerswald. Dabei wurden sie von den Mauerkünstlern Jim Avignon, Thierry Noir und Kiddy Citny sowie von Politikern wie Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Noch-Außenminister Frank-Walter Steinmeier unterstützt. Überdies beteiligten sich internationale Künstler aus Mexiko, Südkorea, Zypern – aus Gegenden, „wo heute noch Mauern Menschen voneinander trennen“.

Einige Dominosteine sollen später im Haus der Geschichte in Bonn und dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig ausgestellt werden. Was mit dem Stein der Kunstschule passiert, sei noch nicht klar, hieß es gestern. Doch zuvor sind die Dominosteine am 7. und 8. November zwischen Reichstagsufer, Brandenburger Tor und Potsdamer Platz zu sehen. Beim „Fest der Freiheit“, das am 9. November am Brandenburger Tor stattfindet, sollen die Dominosteine fallen und so an die Maueröffnung vor 20 Jahren erinnern.